Thema: Schmerzen ignorieren
Bonobo
avatar
Überlebender
Überlebender
Beiträge: 1129

verfasst:
31.Jul 2007 - 08:57

Hallo,

mich würde mal von Eurer Seite das Thema Schmerzenignorieren interessieren.

Vor zwei Jahre hat es bei einer Pilgerwanderung ziemlich dauergeregnet und irgendwie hab ich es nicht geschafft die Füsse trocken zu halten. Folge war, das von den 3 Tagen (waren pro Station etwas über 20 km)bereits am ersten Tag sich die Haut von den vorderen Ballen abgeschrubbt hat. Ein Vergnügen war es dann nicht mehr. Nach dem 2. Tag hab ich die Strümpfe nicht mehr ausgezogen. Hinzu kam, dass ich noch von meiner Kniegeschichte her damals noch etwas unrund lief und ich ziemliche Hüftschmerzen bekam. Seis drum letztendlich hatte ich es geschafft. Ich hab mich da mit Schrittezählen abgelenkt, das hat ganz gut funktioniert. Es ist erstaunlich, wie weit man noch mit futschen Füssen kommt.

Beim Zahnarzt kann ich Schmerzen ganz gut ignorieren und brauch nur Spritzen, wenns radikal wird. Was Wahnsinn an Schmerzen ist verrenktes Gelenk. Bei mir eben eine ausgekugelte Kniescheibe Normalerweise soll man sich die nicht selbst reinhauen, weil dann ziemlich viel futsch gehen kann und es eigentlich der Fachmann machen sol. Aber man hält das einfach nicht aus und haut sich das Ding wieder rein. Diese Schmerzen (und ich glaub ich halt viel aus) konnte ich z.B. nicht mehr wegstecken und hab auf dem Boden rumgetrommelt. Als sich das ganze wieder etwas beruhigt hatte (ich hab trotzdem Schmerzspritze abgelehnt)war mir auf jedem Fall kotzübel.

Ab was für einem Punkt von Schmerz (oder überhaupt) wird man eigentlich ohnmächtig. Mental soll man sich ja irgendwie auch schmerzunempfindlich machen können (Selbsthypnose) die Fakire sollen so etwas ja können.

Weiß da jemand was darüber?

Gruß Bonobo
Grummel

Survival-Freak
Survival-Freak
Beiträge: 271

verfasst:
31.Jul 2007 - 09:52

Hmm .. was Schmerzen angeht halt ich mich für relativ robust ... auser Zahnartzt .. da werd ich zum Pienzchen...

Selbsthybnose, das ist eigentlich das gleiche wie autogenes Training. Mein Paps praktiziert das und von Nehberg hab ich´s auch gehört.
Soweit ich das verstanden hab kann man sich nen Sück weit selber Programmieren. ZB. Körperfunktionen oder die eigene Psyche.
Nachteil... (zB. bei mir) es kann sehr lange dauern bis man die resten Erfolge vermeldet und es benötigt permanentes Training, sonst ist alles wieder futsch.

Denke zum Lernen braucht man ne gute Anleitung zB. nen VHS-Kurs.
Clearfix
avatar
Survival-Freak
Survival-Freak
Beiträge: 184

verfasst:
31.Jul 2007 - 10:13

Hallo,

Das Problem mit den wunden Füßen kenne ich, habe ich immer wenn ich beim Laufen war. Immer riesige Blasen am Ballen die sich nach dem 2. oder 3. Tag ablösen und dann lauf ich immer wie auf rohen Eiern. Dabei ist es egal ob ich 20 EUR Treter aus dem Discounter trage oder High-Tec Laufschuhe für 160 EUR. Aber solange sich die Haut noch nicht komplett abgelöst hat kann ich am nächsten Tag immer noch Laufen, es ist zwar unangenehm aber wenn man sich ablenkt (IPod und Musik hören) kann man die Schmerzen komplett ausblenden.
Ein kuriose Geschichte habe ich während meines 30 km Marsches beim Uffz-Lehrgang erlebt, so ca. nach km 20 hatte ein Kamerad einen kompletten Black Out, ich muss dazusagen das der Kamerad ziemlich sportlich und durchtrainiert war –nicht so ein Moppel wie ich, er war nicht mehr ansprechbar und ging stur geradeaus obwohl die Gruppe links abgebogen ist, wir also zurück den Kameraden wieder „eingenordet“ und laufen gelassen. Die nächsten 4 – 500 Meter ist er wieder stramm mitmarschiert und dann –zack in den Straßengraben geplumpst. Hat aber jetzt weniger mit Schmerzen zu tun als mit Erschöpfung.
Zahnarzt ist für mich ein Horror, da hab ich die blanke Panik davor. Ohne Spritze, selbst beim kleinsten Eingriff geht da gar nichts, aber ich gebe zu das vieles wohl nur eingebildet ist da ich eine richtige Phobie vor Zahnarztbesuchen habe. Im zarten Alter von 5 Jahren war ich das erste Mal beim Zahnarzt, das war so ein richtiger Metzger der mir mit seinen Wurstfingern im Mund rumfuhrwerkte. Da hab ich Panik bekommen und zugebissen icon_smile , und der Zahnarzt hat mir dafür eine Watschen gegeben das es nur so geklingelt hat.
Aber wenn es etwas kritischer wird schüttet der Körper seine eigenen Drogen aus, so das man bei einer Verletzung Anfangs nicht wirklich was spürt. Ich hab mir mal den Ellbogen aufgeschlagen so das das Blut wie Wasser geflossen ist (so was hab ich noch nie gesehen, auch die Umstehenden waren baff wie stark die Blutung war), binnen einer Minute stand ich in einer Pfütze ich hab mir nur gedacht „was für eine Sauerei!“, kurz darauf bekam ich schon einen Tunnelblick und bin weggetreten, was wohl auf den plötzlichen Blutverlust zurückzuführen war. Schmerzen hab ich bis zu diesem Zeitpunkt aber nicht verspürt, die kamen erst so eine Stunde danach.

Gruß
Clearfix


--------------------------------------------------------
Kultur ist, wenn Sie Ihrem Nachbarn den Kopf abschlagen und daraus eine Blumenvase machen. Zivilisation ist, wenn Sie dafür ins Gefängnis müssen und nie wieder rauskommen.
--------------------------------------------------------
Skataflow
online

Hobby-Survivor
Hobby-Survivor
Beiträge: 59

verfasst:
31.Jul 2007 - 10:35

Wow echt interessant wie die meisten Menschen Probleme mit dem Zahnarzt haben.
Ok es hat ja auch fast jeder eine schlechte Erfahrung mit diesen gemacht. Bei mir wars das ziehen von 4 Weisheitszähnen auf einmal mit örtlicher Betäubung die nicht richtig wollte. Der Metzer hat gesagt ich soll mich nicht so anstellen sonst muss er mir ne maulsperre verpassen. Wenn ich mich recht erinnere wurde ich recht unfreundlich... egal...
Was bei mir immer recht gut gegen einen bestimmten zu erwartenden SChmerz hilft, ist ne art gegen schmerz... nur bei wunden füssen kann man sich auch nicht stundenlang in den arm petzen.
da hilft zählen am ehsten. Dummerweise ist dann meistens noch genug Hirnschmalz übrig um sich bei jedem gezähten Schritt seine geschundenen Füße vorzustellen. Was dann weniger Gut ist...
Heeresgr0g

Freizeit-Survivor
Freizeit-Survivor
Beiträge: 48

verfasst:
31.Jul 2007 - 14:48

Zur Autosugestion/Autogenem Training:

Tief und ruhig atmen und mit tiefer und ruhiger Stimme langsam sprechen/denken. 3x Mein rechter Arm wird angenehm schwer. -||- IST angenehm schwer. Dann nochmal mit warm. Kamma nach mehrtägigem Training auf immer mehr Körperteile ausweiten, man sollte immer von oben nach unten arbeiten.

"Körper verlassen" wegen Schmerz -> Meine Erfahrung damit sind die folgenden: Funktioniert, solange man genug Ruhe bekommt um sich gedanklich auf den Weg zu machen, tatsächlich vorstellen wie man aufsteht und woanders hingeht.

Was besser funktioniert ist die bewusste Ausschüttung von Endorphinen.

1.) Grinsen: Das Gehirn kann nicht unterscheiden ob man grinst weil Endorphine (Glückshormone) freigesetzt werden oder ob Endorphine freigesetzt werden weil man grinst. Grinsen ist quasi cheaten.

2.) An etwas schönes denken: NIEMALS an den Schmerz denken sondern immer daran wie "nett" es sein wird die Freundin/Frau zu alles-klar?, ein schönes paar Brüste, kaltes Bier, je nachdem was einen halt glücklich stimmt.

3.) Mut zusprechen: Sätze wie "Aufgegeben wird ein Brief" oder "Schmerz läutert die Seele" sind motivierend.

4.) Aggression: Ist Energie die nutzbar ist, entweder positiv oder negativ. Schimpfen, hassen usw produziert Wut, diese kann gebündelt werden.

5.) Ablenken: Mit wem Anderen wenn vorhanden unterhalten über etwas komplett anderes hilft irrsinnig.

Diese Techniken lassen sich nicht alle kombinieren, sind auch sicher nicht alle sondern nur die, die bei mir funktionieren.
Heeresgr0g

Freizeit-Survivor
Freizeit-Survivor
Beiträge: 48

verfasst:
31.Jul 2007 - 14:50

Anmerkung wegen Unmacht:

Keine Erfahrung damit, bis jetzt Unmacht nur durch Erschöpfung gesehen, aber noch nie wegen Schmerz. Denke aber, daß da ein Dauerschmerz nicht genug ist sondern das plötzlich viel Schmerz auftreten muss damit dieses eintritt, zB Sturz aus großer Höhe usw.
chamenos

Hobby-Survivor
Hobby-Survivor
Beiträge: 69

verfasst:
31.Jul 2007 - 15:36

Moin

Aus meinem bescheidenen Erfahrungsschatz (und eigentlich bin ich wirklich gut im "Verbeißen" von Schmerzen):

Ein Splitter im Auge, ein entzündeter Backenzahnnerv und ein übler Hexenschuss waren dann die Gelegenheiten festzustellen, dass bestimmte Schmerzen so dominant sind, dass einfach Feierabend ist. Und zwar komplett. Ich habe mich da jedesmall ziemlich willenlos zum Arzt bugsieren lassen und war schwer damit beschäftigt nicht durchzudrehen.

Dagegen sind blutiggelaufene Füße, ein abgerissener Meniscus, eine mit siedendem Öl verbrannte Hand (2ten Grades, die komplette Haut hatte sich gelöst) oder der Hammerschlag auf den Daumennagel wie ein warmer Frühlingsregen (ich werde hier nicht alle meine bisherigen Verletzungen aufzählen, sonst legt der Beitrag wieder das Forum lahm icon_biggrin )

Ich denke schon, dass der Körper und auch der Geist unter Stress oder anderen Extrembedingungen sehr sehr leidensfähig sind, aber irgendwo ist Schluss. Egal wie gut man sich mental im Griff hat.
Und gerade die Zähne können einen da ganz phantastisch aus der Bahn werfen.

Gruß

chamenos
Heeresgr0g

Freizeit-Survivor
Freizeit-Survivor
Beiträge: 48

verfasst:
1.Aug 2007 - 07:23

Habe hier etwas gefunden:

Peter Darman "Das Survivalhandbuch der Eliteeinheiten"

Schmerz ist ein körperliches Warnsignal, das anzeigt, daß etwas nicht in Ordnung ist. Das ist beunruhigend und kann den Überlebenswillen schwächen. Aber Schmerz wird erträglicher, wenn Sie seine Ursache kennen. Akzeptieren Sie ihn und konzentrieren Sie sich auf andere Aufgaben. Bedenken Sie: Der SChmerz wird nur schlimmer, wenn Sie untätig bleiben und zu sehr auf ihn achten.

Im Bezug auf chamenos:

Geb dir vollkommen Recht, schätzomativ stuft der Körper die Quelle des Schmerzes mit Prioritäten ein. Füße unwichtig, nur melden, Auge, Zähne usw WICHTIG, ALARM (=
Jeff

Anfänger
Anfänger
Beiträge: 4

verfasst:
25.Aug 2007 - 18:48

Lustige Erfahrung habe ich heute gemacht!
Ich musste im Garten arbeiten (bei ner älteren Dame)
und hatte den ganzen Tag (einschließlich jetzt icon_frown icon_frown )
starke Bauchkrämpfe, aber nach 10 Minuten arbeiten waren sie WEG!
Erst als ich die Arbeit nieder gelegt hatte fingen sie wieder an!
Coole Sache muss ich dazu sagen!
MfG