Gerne kursiert in Internetforen oder in Blogs der Tipp, dass Gold das einzig ewig werterhaltende Metall sei. Auch Silber(geld) wird als DIE Anlageform auf den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems angepriesen. Ich weiß nicht, auf welche Art von Kollaps sich diese Menschen vorbereiten. Aber es kann nicht der Zusammenbruch dieses Systems sein.
Wer Gold(geld) hortet, der denkt leider immer noch in völlig falschen Mustern.
"Gold hat seinen Wert seit 5000 Jahren erhalten" - so wird gerne der Wert des Goldes dargestellt. Auf den ersten Blick mag diese Information richtig sein. Aber dieser Wert des Goldes entstand und fiel mit dem Aufstieg und Fall der Zivilisationen. Vor der Zivilisation gab es weder Goldgeld, noch Silbergeld. Nach dem Zusammenbruch einer Zivilisation auch nicht. Eine Zivilisation in unserem Sinne (von lateinisch civis = Bürger) ist eine Ansammlung von Menschen an einem Platz (Stadt), die nicht fähig sind, ihre Nahrung und Bedürfnisse aus dem eigenen Land zu erzeugen. Nahrung und Rohstoffe müssen von aussen importiert werden. Sind die Ressourcen in dem lokalen Gebiet erschöpft, so wird das Einzugsgebiet dieser "Zivilisation" vergrößert. Das heißt, die Waren und Rohstoffe werden aus immer weiter entfernt liegenden Gegenden herangeschafft. Meistens endet das unweigerlich in Beschaffungskriegen. Das ist bis heute so geblieben. Während damals um Tierherden, Ackerland und Waffenmetall(-vorkommen) Krieg geführt wurde, so sind es heute Tantal, Erdöl, Palmölplantagen, Eisenvorkommen, Uran und Sojafelder. Früher nannte man es Krieg gegen die Heiden, heute Wirtschaftswachstum. Hinter beiden Lügen ist aber nur eine Ursache versteckt: die Zivilisation.
Eine Zivilisation setzt eine strikte Arbeitsteilung der Mitglieder voraus. Und sie setzt "Recht und Ordnung" voraus. Ein chaotischer Haufen von Menschen, die machen was sie wollen, kann Naturschätze nicht effektiv plündern und weiterverarbeiten. Auch die Bildung eines Heeres steht und fällt mit einer straffen Organisation. Ein militärischer Apparat diente seit jeher zur Heranschaffung von Waren, Menschen, Gütern, Rohstoffen usw. zur Versorgung und Aufrechterhaltung der Zivilisation. Da die Menschen aus dem Nachbarland ("die andere Zivilisation") aber genau das gleiche wollten, diente das Heer natürlich auch zur Beschützung dieser geraubten Güter. So wird eines klar: gibt es eine Zivilisation, ist ein Militärapparat unabdingbar. Desweiteren konnte eine Zivilisation (mit jemanden an der Spitze, der das Sagen hat) nur etabliert werden, wenn Waffengewalt auf die Bevölkerung ausgeübt werden konnte. Früher mussten die Bauern "freiwillig" ihren Zehnten abdrücken, oder sie wurden am nächsten Baum aufgeknüpft. Heute hat sich nicht viel geändert. Anstatt den Zehnten unserer Arbeit abzuleisten, leisten wir heute etwa unseren Zweiten, und landen im Knast, wenn wir nicht spuren. Es ist einerlei ob damals die Knappen des Burgherrn an die Tür klopften und dem Bauern das Kurzschwert vor die Nase hielten, wenn er sich weigerte Zwangstribut zu zahlen. Oder ob heute der Gerichtsvollzieher kommt, und dem säumigen Steuerzahler mittels der Polizei eine P99 vor die Nase hält. Beide Zwangsmassnahmen gegen die Bevölkerung gründen sich auf Waffengewalt. Wer sich widersetzt, der bekommt die Waffe zu spüren. So war es im Jahre -1500 in den Zivilisationen, so ist es heute im Jahre 2009 in den Zivilisationen. Solange eine Zivilisation da ist, wird es Kriege geben. Auch wenn Sie noch so sehr dagegen sind, und ganz viele lustige und bunte Plakate malen. Oder mit Lichterketten und weinerlichem Singsang dagegen demonstrieren. Zivilisation ist Krieg. Gewalt und Zivilisation sind untrennbar miteinander verbunden.
Eine Zivilisation (bleiben wir bei diesem Begriff, er schließt den Staat mit ein) kann also nur bestehen, wenn sie mit Waffengewalt jemanden plündert. Auch die Etablierung eines "Tauschmittels" - also Geld - ist immer direkt mit der Zivilisation verbunden. Ohne Staat, kein Geld. Ob nun Silberlinge, Golddublonen oder rosafarbene Plastikchips als Geld dienen sollen: immer hat der Staat die Macht auf das Geld. Die Verteilung geschieht immer von oben nach unten. Die Akzeptanz dieses Zahlungsmittels bei der Bevölkerung interessiert den Staat nicht. Da der Staat über die größte Waffengewalt verfügt, kann er bestimmen, was die Bevölkerung zu akzeptieren hat. Wichtig ist zu erkennen, dass es niemals um den "Wert" des Metalls oder Geldes an sich geht. Gold ist z.B. weder besonders praktisch verwendbar, noch muss es aufwändig gewonnen werden (es kommt gediegen vor, im Altertum sogar häufig an der Oberfläche, und kann sofort verarbeitet werden). Woher genau der Wert des Goldes in der Antike kam, interessiert hier nicht. Wichtig ist die Erkenntnis, dass der Zwang zur Verwendung von Geld immer nur von oben (den Profiteuren dieses Gewaltsystems) kam. Einer Zivilisation geht es nur um die zwangsweise Heranschaffung von Gütern. Es geht und ging nie um den "absoluten Wert" des Goldes oder Geldes. Es geht immer nur um Naturalien - Nahrung, Boden, Rohstoffe, Sklaven, Menschenkraft - die mit Hilfe dieses Geldes eingetrieben werden. Geld an sich - oder Gold - ist eine völlig fiktive Größe, die ihren Wert einzig und allein dadurch erhält, dass es eine Gewaltmacht gibt, die diesen Wert bestimmen kann. Gestern der Zehnte, heute die Steuern. Und zwar geht es nicht um die Dollars oder die Euros, sondern um die Waren und Leistungen, die damit abgepresst werden können. Bunte Papierschnipsel und Goldklumpen sind an sich beide völlig wertlos.
Wir müssen dafür bezahlen, dass wir leben. Wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem auch klar, dass indigene Völker (die immer nur Subsistenzwirtschaft betrieben haben) niemals so etwas wie Geld brauchten. Indianer kannten Gold, aber es war nicht von Interesse. Urwaldvölker kennen Lagerstätten von Gold und Edelmetallen, es ist aber nicht von Interesse. Warum? Weil es keine Zivilisation (Staat) gibt, die Gewalt auf sie ausübt, und sie zur Benutzung dieses Metalls zwingt. Diesen Zwang kennt nur die Zivilisation. Das ist auch der Grund, warum wir bezahlen müssen, wenn wir leben wollen. Wir alle sind Sklaven eines aberwitzigen Systems, einer Gewaltmacht die uns ständig kontrolliert. Die uns zu Abgaben zwingt, und uns in den Knast steckt, wenn wir nicht mehr bereit sind diese Fronarbeit zu leisten (Steuern zu zahlen). Welches Tier oder welcher Eingeborene muss für Essen und Obdach Geld (Gold) verwenden und dafür bezahlen, dass er auf diesem Planeten leben darf? - Diese unglaubliche Tatsache ist nur der Zivilisation eigen. Haben wir uns schon so sehr an dieses Gewaltsystem gewöhnt, dass wir abgestumpft sind? Wo ist der Aufschrei der Massen, ob dieser unglaublichen Tatsache? Es ist ja genau das Gegenteil der Fall: dieses System wird doch von den meisten bejubelt und die Macht weiter zementiert! - Es ist einfach unfassbar für jeden denkenden Menschen, was hier in dieser Gesellschaft passiert.
Das Gute ist: nach einem Totalkollaps dieses Systems wird es für lange Zeit keine Zivilisation und somit auch keine Staatsmacht mehr geben, die uns mit Waffengewalt zwingt, Dinge zu tun, die wir gar nicht tun wollen (Fronabgaben zu leisten, z.B.). Das heißt aber auch, dass es nach diesem Kollaps keinen Grund mehr geben wird, Gold oder Geld in irgendeiner Form zu benutzen. Die Menschen werden - mangels Alternative und aus purer Not heraus - zu einer Subsistenzwirtschaft zurückfinden, in der es kein Bedarf für Geld geben wird. So wie bei allen "nichtzivilisierten" Völkern, bis diese von der Zivilisation vernichtet und versklavt wurden. Erst wenn sich wieder eine Gewaltherrschaft etablieren kann, wenn Menschen über Menschen herrschen, wird es wieder Geld (Gold) als Zahlungsmittel geben. Dann aber unweigerlich mit Tribut, Fronarbeit, Steuern. Denn darauf kommt es an. Nicht auf Gold, Silber oder Edelsteine. Diese Dinge kann man halt nicht so einfach "nachbauen" und damit die Gewaltherrschaft untergraben. Ein Gewaltsystem wird daher möglichst unikate "Erkennungsmarken" herstellen lassen: Goldmünzen, speziell geschliffene Kieselsteine, kompliziert bedrucktes Papier, or whatever. Wichtig ist dabei, dass die Macht und Herrschaft über andere Menschen zementiert werden soll, und nicht untergraben. Gewalt geht wie die Verteilung von Geld immer nur einen Weg: von oben nach unten. Ein "Volksgeld" wird es aus diesem Grund in einer Zivilisation niemals geben, egal wieviele Menschen sich darüber auslassen. Oder welche "Freigeldversuche" auch immer angestellt werden. Wer die meisten Waffen und die meisten loyalen Waffenträger hat, hat das Sagen. Das ist alles. Verdammt, die Welt kann so einfach sein.
Wenn Sie also Gold horten, gibt es eigentlich nur wenige Gründe dafür. Einer könnte sein, dass Ihnen einfach die Farbe gefällt. Oder Sie einen technischen Einsatzzweck dafür haben. Oder glauben, und vielleicht hoffen, dass es wieder sowas wie einen Staat (Gewaltherrschaft) geben wird. Oder alles wieder aufgebaut werden wird, so wie heute. Oder Sie haben sich einfach an der Nase herumführen lassen. Die "Goldphantasten" verkaufen Ihnen eigentlich nur eines: die Hoffnung, dass Sie nach dem Crash "zu denen da oben" gehören werden. Zu den Gewinnern. Zu den Herrschenden. Natürlich nur, wenn Sie viel Gold haben. Nur werden Sie mit Gold gar nichts erreichen. Denn eine Herrschaft funktioniert nicht mit dem blossen Besitz von Gold. Sie müssen die Leute auch dazu zwingen, mit Waffengewalt (was sonst), dieses Zeug als Zahlungsmittel zu benutzen und Abgaben auf Arbeit (bzw. Geldbenutzung) zu leisten. Das ist alles worum es geht. Wenn Sie also Gold gekauft haben, um später "zu denen da oben" zu gehören, muss ich Sie leider enttäsuchen. Das Gold wird Ihnen nichts nützen. Nach oben kommen nur die, die rücksichtslos Gewalt auf andere Menschen ausüben. Was Sie brauchen, ist nicht einen Haufen Gold, sondern ein paar Waffen und ein paar richtig schwere Jungs, die auf Sie hören (Sie müssen nur viel Gold als Lohn versprechen). Damit können Sie dann einen neuen, kleinen Staat aufziehen. Das Gold kommt dann ganz automatisch, Sie müssen es nur noch einfordern... (In unserer kleinen Glosse "Wie komme ich ganz nach oben" erfahren Sie genau, wie Sie einen neuen Staat gründen können.)
Eine Goldunze "kostet" heute um die 770 Euro. Mit diesem Geld können Sie im Hinblick auf einen Totalkollaps dieses Systems Besseres anstellen. Zum Beispiel fast mein ganzes Buchsortiment kaufen, was Ihnen viel mehr Wert einbringen wird, als ein Stück gelbes Metall, dass keiner mehr will. Wenn Sie also Gold als Krisenvorbereitung kaufen, haben Sie offensichtlich schon einen komplett autarken Selbstversorgerhof, genügend Nahrung, profunde Erkenntnisse im Gartenbau und Selbstversorgung, reichlich Waffen und Munition (soviel Besitz macht schließlich neidisch), haben Ihre Familie und Vewandten perfekt versorgt usw. usw. Oder Sie glauben lediglich an einen "kurzfristigen Ausfall" von Staat (Gewaltherrschaft) und hoffen, dass alles bald wieder beim Alten sein wird. Allerdings sind Sie dann hier - auf dieser Seite - vermutlich falsch. Denn hier geht es um das, was kommen wird: nämlich das Ende dieser Zivilisation, welches längst überfällig ist. Dass dieses perverse System überhaupt noch den Beifall von jemandem findet, kann ich mir eigentlich nur dadurch erklären, dass die Gehirnwäsche gut bei der Mehrheit der Menschen funktioniert hat. Oder man hat die Menschen einfach genügend eingeschüchtert, mit Gesetzen, äh, Waffen, meine ich...
Wenn Sie Gold und Edelmetall horten, denken Sie noch in völlig falschen Dimensionen. Sie denken noch immer, dass Kaufen und Verkaufen nach einem Kollaps dieses Systems weiter funktionieren wird. Das wird es allerdings nicht. Vielleicht wird es auch so laufen: Wenn Sie nach dem Zusammenbruch dieses Systems mit Ihrem Goldsäckel an einen Bauernhof kommen, um Essen "kaufen" zu wollen, können Sie froh sein, wenn der Bauer Ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen wird. Oder den Hund auf Sie hetzt. Dann sind Sie allerdings an einen sehr freundlichen Bauern geraten. Denn vielleicht könnten Sie sich keinem Hof oder Dorf auf hundert Schritt nähern, ohne dass Sie mit einem Loch im Kopf im Strassengraben enden. Für Ihr Gold oder Ihr Geschmeide wird sich niemand interessieren. Man wird Sie untersuchen, ob Sie ein Schießeisen und Munition dabei haben, was zu Essen, ein gutes Messer, einen Kompass oder eine Landkarte. Und die Schuhe wird man Ihnen ausziehen (wenn sie brauchbar, derb und robust sind). Den Rembrand in Ihrem Rücksack wird man verheizen oder als Fensterersatz im Stall benutzen. Als kurioses Relikt vergangener Zeiten. Zeiten, die nie wieder kommen. Die Goldstücke gibt man den Kindern zum Spielen (es ist ja so langweilig ohne Wii und TV... Sie verstehen...).
Gold ist und bleibt ein Spekulationsobjekt. Es hat nur Wert, wenn es sowas wie eine Staatsgewalt gibt. Der Wert des Goldes steht und Fällt mit einer Gewaltherrschaft.