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Krisenvorbereitung - aber richtig (Teil I) von Manuel

Wie bei allen Modeerscheinungen ist zur Zeit auch die Vorbereitung auf die Finanzkrise "in". Ob in Wirtschaftsblogs, auf Goldseiten, oder in "Krisenshops" - überall werden allerlei Gerätschaften und Ausrüstungen feil geboten, über deren Sinn und Unsinn man trefflich streiten könnte.

In diesem Artikel will ich die Grundlagen aufzeigen, worauf eine fundierte Krisenvorbereitung hinauslaufen sollte. Selbstverständlich kann ich das nur von meiner Warte aus tun. Jeder wird seine eigene Strategie entwickeln müssen, welche Vorbereitungsmaßnahmen getroffen werden. Dennoch mag der ein oder andere Aspekt für die Mehrzahl der LeserInnen interessant sein. Da ich mich schon seit knapp 15 Jahren mit dieser Thematik befasse, sind meine Tipps nicht aus der Luft gegriffen.

Die hier erläuterten Vorsorgemaßnahmen haben verschiedene Prämissen, die hier kurz erwähnt werden sollen. Ob diese Aussagen zutreffen werden, sie wahrscheinlich sind oder nicht, kann natürlich niemand sagen. Sie könnten aber zutreffen, weil sie eine logische Konsequenz aus dem derzeitigen Handeln des Menschen sind.

Prämissen 1. Diese Zivilisation wird nicht von Dauer sein. Dieses System wird und muss eines Tages zusammenbrechen, so wie alle anderen Kulturen bisher zusammengebrochen sind.

2. Nach dem Zusammenbruch des industriell-technischen Systems wird es dieses System kein zweites Mal mehr geben. Es kann also nicht wieder aufgebaut werden, weil Wissen, Ressourcen und Experten fehlen werden und eine global vernetzte Wirtschaft nicht mehr möglich sein wird.

3. Da unsere Zivilisation zum großen Teil auf der Ausbeutung natürlicher und endlicher Ressourcen basiert, werden diese Ressourcen wegfallen, weil sie nur durch ein ausgefeiltes industrielles System ausgebeutet, verarbeitet und verteilt werden können. Nur durch strenge Arbeitsteilung und Organisation kann dieses System am Leben erhalten werden, fallen diese Komponenten weg (Staatscrash = Tod der Staatsgewalt), stirbt dieses System.

4. Nach dem Zusammenbruch dieses Systems wird der Mensch zu einer sehr ursprünglichen Lebensweise zurückfinden müssen. Handwerk und Technik werden sich auf dem Niveau des 19. Jahrhunderts etablieren. Es werden solche Geräte und Maschinen genutzt, die jeder Dorfschmied reparieren kann.

Es macht also unter diesen Voraussetzungen, meiner Ansicht nach, keinen Sinn die Krisenvorbereitung auf blosse "Hortung" von Gütern und Lebensmitteln zu beschränken. Genauso wenig wird Ihnen eine Schatulle mit Goldmünzen im Crash viel nützen. Sie lockt höchstens "böse Buben" an, die Ihnen den Schädel deswegen einschlagen. Zu Essen kaufen können Sie damit aber nichts. Denn das wird jeder selber brauchen.

Ein "kleiner Notvorrat" für 14 Tage, wie ihn viele "offizielle Stellen" empfehlen, wird wenig nützen. Denn mit einem Lebensmittelvorrat sollten Sie zumindestens über einen Winter kommen, besser von einem Herbst bis zum nächsten Sommer. Haben Sie keine Ahnung von Selbstversorgung aus dem Garten, so wird es schleunigst Zeit, sich mit diesem Thema zu befassen und ggf. auch einen Wohnortwechsel ins Auge zu fassen. Eine blosse Hortung von Konserven und Getreidesäcken macht in meinen Augen keinen Sinn. Denn diese Art von Vorbereitung ist zu kurz gedacht, und geht davon aus, dass nach einem Zusammenbruch irgendwann wieder alles so werden wird wie früher. Sie ist zwar in gewissem Maß sinnvoll, ist aber nicht nachhaltig.

Genauso sieht es z.B. mit der Anschaffung von Stromerzeugern aus. Diese werden gern verkauft, schließlich schaffen sie laut Verkäufer "eine autarke Stromversorgung" wenn mal der Strom für 14 Tage ausfällt. Nun, ein Stromgenerator mag Sinn haben, das Abtauen der Tiefkühltruhe zu verhindern, wenn der Strom für ein paar Stunden ausfällt. Oder das Stromnetz generell Schwächen zeigt. Für eine langfristige Vorsorge sind sie aber nicht zu gebrauchen (wenn, dann erwerben Sie bitte einen uralten Dieselgenerator der auch selbst gepresstes Pflanzenöl schluckt und bevorraten Sie viele Filter und Ersatzteile, Diesel und Schmieröle). Sollte die Situation tatsächlich jemals eintreffen, daß der Strom auch nur 14 Tage ausbleiben würde, befänden wir uns innerhalb Kürze im vorindustrieller Zeitalter. Denn die Zivilisation mit allen ihren "Errungenschaften" hängt an einem sehr dünnen Draht. Die Mehrzahl der Menschen würde sich in einer solchen Situation nicht zu helfen wissen, weil sie sich in eine völlige Abhängigkeit der Technik gebracht haben. Umso wichtiger ist es, sich mit nachhaltigen Techniken auseinanderzusetzen.

Kaufen Sie nur alte, gut gepflegte und wartungsfreundliche Maschinen. Am besten mechanische Geräte. Erdölbetriebene Geräte sind selbstverständlich nur für Übergangszeit sinnvoll, weil auf lange Sicht weder Treibstoffe, Schmieröle oder Ersatzteile beschaftt werden können. Wenn Sie meinen, ohne Maschinen nicht auskommen zu können, kennen Sie diese Maschinen in- und auswendig. Sie können sie mit Standard-Werkzeug zerlegen, reparieren und wieder zusammensetzen. Und haben das bereits mehrfach im Vorfeld getan. Ihre Motorsäge können Sie - bildlich gesprochen - mit verbundenen Augen wieder zusammensetzen. Schwierig nachzubauende Verschleißteile legen Sie reichlich auf Lager. Andere Ersatzteile müssen Sie ggf. nachfertigen können, oder diese aus anderen gleichwertigen Maschinen beschaffen (man informiert sich natürlich heute schon ausgiebig darüber). Besser ist es, Haushaltsgeräte, Maschinen usw. auf mechanischen Betrieb umzurüsten. Mechanisch betriebende Geräte lassen sich meistens schnell und einfach reparieren, sind robust und lassen sich notfalls per Riemenantrieb auf semi-maschinellen Antrieb umstellen. Kaufen Sie keine Ausrüstung, die Sie im Krisenfall nicht mehr reparieren können. So wäre es Kokolores sich eine Armbrust mit Fiberglas-Teilen zu kaufen, die Sie nicht mehr reparieren könnten. Oder einen Stromgenerator, dessen spezielle Ersatzteile nur aus Taiwan beschaffbar sind. Oder verzichten Sie auf die "tolle Getreidemühle" mit Elektromotor und 15 computergesteuerten Auswahlprogrammen für exotische Getreidearten. Oder kaufen Sie lieber auf dem Flohmarkt eine alte, mit Fußpedal betriebene, Nähmaschine als den neuesten Schrei aus dem Versandhauskatalog.
Sie wissen, worum es hier geht: Um Nachhaltigkeit, einfache und robuste Technik die heute fast nicht mehr hergestellt wird.

In einem solchen Crash-Szenario, wo Plünderungen und Raub sicherlich keine Seltenheit wären, dürfte Ihnen z.B. ein Generator und ein Maschinenpark schnell zum Verhängnis werden. Oder was meinen Sie, wo 20 Spitzbuben lieber einsteigen: bei einem Haus wo in der größten Krise immer der Schornstein raucht, elektrische Lampen an sind, der Generator brummt und die Bewohner wohlgenährt aussehen? Oder in einer ärmlichen Hütte, deren Bewohner selbst hungern und frieren?

Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt. Tarnen und Täuschen. Wenn Sie gut ausgestattet sind, hängen Sie dies bei Bekannten, entfernten Verwandten und "Freunden" nicht gleich an die große Glocke. Es wäre ja durchaus möglich, dass sich sowas dann im Fall des Falles schnell herumspricht, und auf Menschenfreundlichkeit gepocht wird. Anstatt Sie dann für den Winter gut gerüstet sind, hat das Dorf zwar einen Tag zu essen, aber Sie und Ihre Familie nachher genauso Hunger wie alle anderen. Dieser "Geiz" mag hart klingen, aber in der Krise wird sich jeder selbst der nächste sein. Schauen Sie deshalb, dass Sie und Ihre Familie und ggf. Ihre Haustiere gut durchkommen. Lassen Sie dies aber nicht durchblicken. Wenn alle hungern, hungern sie mit (und nehmen ggf. 20 kg ab). Wenn alle frieren, frieren Sie mit. Wenn alle jammern, stimmen Sie in den Klagechor mit ein. Helfen Sie mit und Arbeiten Sie immer mit, wenn es was zu tun gibt. Bilden Sie heute schon Netzwerke mit Freunden, Bekannten und Verwandten, wenn es um die Krisenvorbereitung geht. Reden Sie nicht zusammenhangslos vom großen Weltuntergang. Fahren Sie die alternative "Sparsamkeits"-Schiene. Machen Sie auf "old-style". Stellen Sie die Vorzüge eines überreichen Bauerngartens heraus. Loben Sie reichliche Ernte einer Streuobstwiese. Pflanzen Sie Nussbäume und -sträucher. Legen Sie z.B. Topinambur-Wäldchen auf Brachflächen an. Verteilen Sie solches Saatgut, und "jubeln" Sie anderen Leuten solche Vorbereitungsmaßnahmen beiläufig unter. Schwärmen Sie von der wohligen Wärme eines alten Holz-Küchenherds. Oder einem Kaminofen. Sie werden bald selber feststellen, wer darauf anspricht und ähnlich denkt. Die Befürchtungen über unsere Zukunft hegen mehr Menschen, als Sie glauben. Reden Sie mit alten Landwirten und Bauersfrauen in Ihrem Dorf oder Ort. Sie werden teilweise überrascht sein, dass diese Menschen genauso denken wie Sie, und den Keller ebenso voller eingemachter Obst- und Gemüsegläser haben. Schnell bilden sich dann Netzwerke ähnlich denkender Menschen. Je mehr es sind, desto besser ist das für den Einzelnen. Ein "Einzelkämpfer" wird es in diesen Zeiten verdammt schwer haben.

Fangen Sie also heute noch an zu überlegen:

Was tue ich,

- wenn Strom und Erdöl nicht mehr da sind?

- wenn Strom nie wieder aus der Steckdose kommt?

- wenn nie wieder ein Tropfen Benzin, Schmieröl oder Diesel käuflich ist?

- wenn die Zentralheizung nie wieder laufen wird?

- wenn kein Supermarkt mehr öffnen wird (nie wieder)?

- Was passiert mit dieser Gesellschaft?

- Welche Bevölkerungsgruppen werden gewalttätig und vollends durchdrehen?

- Wird es Plünderer geben?

- Werde ich am jetzigen Wohnort sicher davor sein?

- Wie schütze ich mich dagegen?

- Wie erreiche ich Nachbarn, Freunde, Verwandte ohne Telefon und Internet?

- Wie organisiere ich schnell Hilfe im Notfall?

- Wie kann ich ggf. ohne Auto aus der Stadt flüchten (und wohin)?

Eigentlich können Sie sich solche Fragen auch selber ausdenken. Einige Aspekte dürften klar geworden sein, wohin die Reise dieses Systems geht. Und was jeder einzelne tun muss. Ich will keine Patentrezepte liefern. Ich kann das auch nicht. Aber ich kann darlegen, wie ein solches Szenario aussehen könnte. Handeln müssen Sie schon selbst.

(Im nächsten Artikel mehr zu persönlichen Sofortmaßnahmen im Hinblick auf die Krise.)

Dieser Text wurde veröffentlicht am Dienstag, 24. November 2009.
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