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Warum zinsloses Geld und Komplementärwährungen die Probleme nicht lösen werden.
In vielen Zeitschriften, Blogs, Büchern und Fernsehbeiträgen wird immer wieder davon gesprochen, dass der Zins die Ursache allen Übels sei. Der Zins fördert die Ausbeutung, erzeugt Armut und ist generell an allem Schuld. Als Lösung wird immer gerne ein "zinsloses Geld" oder eine "Ersatzwährung" oder ein sogenanntes "Regionalgeld" propagiert. Ehrlich gesagt, lieber Leser, habe ich noch nie genau verstanden, was der Zweck dieses Geldes sein soll... aber eines weiß ich sicher: auch diese Ersatzwährungen werden die Probleme auf diesem Planeten nicht beseitigen. In den folgenden Absätzen möchte ich kurz umreißen, warum diese Währungen keine Lösung sein werden.
Das "Wundergeld von Wörgl"
Wer kennt es nicht, die wundersame Geschichte des "Schwundgeldes von Wörgl", welches in der großen Depression etabliert wurde, und für ein wundersames Wirtschaftswachstum in dieser Stadt sorgte! Der Trick des Geldes war nicht, dass das Geld sich auf dem Bankkonto wundersam durch den Zins weitervermehrte, sondern dass die Scheine weniger wert wurden. Einfach ausgedrückt: heute war der 10-Euro-Schein 10 Euro wert, morgen nur noch 9,80 Euro (auf die konstruktiven Details wie ein solches Geld in physischer Form beschaffen ist kann hier nicht eingegangen werden). Was würden Sie also tun, mit einem Geld das morgen weniger Wert sein wird als heute? - Genau, Sie werden losziehen und versuchen, diese Papierzettel an den Mann oder die Frau zu bringen. Das heißt, Sie gehen einkaufen. Sie kaufen Sachwerte damit. Der Händler der diese Zettel von Ihnen erhält, denkt sich genau das gleiche. Er wird also schnell losziehen, und versuchen die Zettel bei jemandem anderen loszuwerden, usw. usw. Das Geld läuft also extrem schnell um. Keiner will diese verfluchten Papierfetzen haben, die morgen weniger wert sein werden wie heute.
Was das Ergebnis dabei sein wird: Die Wirtschaft wird extrem angekurbelt. Die Papierfetzen werden in Sachgüter eingetauscht werden. Und das mit rasanter Geschwindigkeit.
Nun wird der unbedarfte "Wirtschaftsteilnehmer" denken: "Hey, das ist doch super. Arbeit für alle, Reichtum für alle!" - Das mag zwar auf den ersten Blick stimmen. Aber es ist so, wie es einmal ein Ökonom ausdrückte: "There's no free lunch". Oder: Einer verliert immer. Und dieser Verlierer ist in diesem Fall eindeutig die belebte Natur, der Planet Erde. Mit einem solchen Geld würde die Ausbeutung von natürlichen Ressourcen noch weiter auf die Spitze getrieben werden. Man würde sich als Teilnehmer in einem solchen Währungssystem die aberwitzigsten Dinge anschaffen. Ob man sie braucht, oder nicht. Hauptsache man wird die Papierschnipsel los, die immer weniger Wert werden! -
Schwundgeld als Lösung für die Probleme auf dieser Erde? - Das ist und bleibt reine Utopie. Auf kurze Distanz mag dieses Geldsystem sinnvoll klingen. Auf lange Sicht gesehen ist dieses System genauso tödlich für diesen Planeten mit all seinen Bewohnern wie das jetzige System.
Was ist mit Komplementärwährungen?
In der Nacht, in der ich diese Zeilen in meine Tastatur geklopft habe, habe ich eine Dokumentation über das Geldsystem auf dem Fernsehsender BR gesehen. Dort wurde unter anderem eine Siedlung namens "Palmera" in Brasilien vorgestellt, in der der eine Ersatzwährung gehandelt wird: die Palmeros. Der Erfinder der Palmeras-Bank erzählt voll Stolz, wie sein System funktioniert. Die Bank gibt Scheine aus, die in der Region bei allen Dienstleistungen und Geschäften gehandelt werden. Voller Überzeugung behauptete der Mann, dass diese Währung für lokalen Wohlstand sorgen würde, weil die Währung ja nur in dem besagten Viertel getauscht wird. Die Währung schalte das Konkurrenzdenken aus, sorge für Wohlstand, Zufriedenheit und Glück (oder so in der Art). Allerdings habe ich mich immer gefragt, ob dem wirklich so ist. Wenn nun in Palmera in der gleichen Strasse zufällig drei Kochbuden eröffnen, die alle frittierte Kartoffeln anbieten? - Was passiert dann? - Ja, das Konkurrenzdenken geht sofort los: "Was muss ich besser als der andere machen, damit die Leute bei mir mehr Palmeros liegen lassen? - Wäre super, wenn einer aufgeben würde. Dann würden die Leute mehr bei mir kaufen! Was kann ich noch verkaufen, damit mehr Kunden zu mir kommen?" - Und schon haben Sie das gleiche Konkurrenzdenken wie im heutigen Wirtschaftssystem. Ob man nun Palmeros, Dollars oder Euros scheffeln will. Das ist völlig irrelevant.
Oder woher kamen dort in diesem Viertel Gegenstände Plastik her (für die PCs besagter Bank)? Oder das Öl? Strom? Gas? Nahrungsmittel? Kleidung? Software? Alles mit Palmeros gekauft, oder doch eher mit $$$? Was heißt überhaupt "regional"? Drei Häuserblocks? Fünf? Die ganze Stadt? Oder doch gleich das ganze Land? - Hey, wie wär's mit einem globalen Regionalgeld? Ob wir nun ein "P" auf einen bunten Baumwollzettel malen, ein € oder ein $ - was macht das für einen Unterschied?
Wenn ich also zwischen dem jetzigen System, und zwischen einem der oben genannten Systeme wählen müsste, so wäre das eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Alle Systeme setzen einen funktionierenden Staat voraus (ein Gewaltmonopol, siehe anderer Beitrag hier). Alle genannten Systeme sind Sklaven eines monströsen industriell-technischen Systems. Oder glaubt man ernsthaft, dass die Leute in Palmera nicht auch nach einem PC streben, einem LCD-Fernseher oder einem neuen Auto? Oder einem neuen Haus? - Klar, mit Schwundgeld oder Palmeros ist das vielleicht zu erreichen. Alles eine Frage des Willens. Aber ist eine solche durchindustrialisierte und durchzivilisierte Welt überhaupt erstrebenswert? - Ich denke nicht. Ich denke auch, dass dies für alle auf diesem Planeten lebenden Wesen nicht erstrebenswert ist.
Wenn Sie nach dem Grundübel dieser Welt suchen, dann werden Sie es nicht im Zinseszinssystem finden. Auch nicht im Geld. Diesen Zinseszins gibt es schon seit 2000 Jahren, ohne dass es dem Planeten Erde wesentlich geschadet hätte. (Ob es Kriege durch das Zinseszinssystem gibt, oder nicht, sei dahingestellt. Auch Völker die kein Geld kannten haben sich schon die Köpfe eingeschlagen. Dann ging es eben um Weidegründe oder die schönsten Weiber. Ausserdem haben Kriege mit Schwert, Axt und Steinen unter den Menschen die Welt nicht dramatisch verändert. Nanopartikel, gentechnisch manipulierte Pflanzen, radioaktive Verseuchung, Plastik und PCB jedoch schon! Und diese sind unzweifelhaft ein Produkt dieser Zivilisation.).
Es ist utopisch zu glauben, dass diese verschiedenen Geldysteme, Ersatzwährungen oder Tauschringe auch nur das geringste zum besseren wenden würden. Aber der Mensch lügt sich ja bekanntlich gerne in die Tasche. Er ist eben ein echter Meister im Verdrängen. Es ist bei der ganzen Sache wie mit den Wahlen: Wenn sie etwas ändern würden, wären sie schon längst verboten. Glauben Sie mir: der Staat ("das Gewaltsystem") würde gegen jede kleine popelige Stadtwährung vorgehen, wenn diese so angelegt wäre, das gesetzliche Zahlungsmittel wirksam zu untergraben. Die Erfinder und Agitatoren dieser Währung wären schon im Knast bevor es dieses Währungssystem überhaupt an die Öffentlichkeit schaffen würde. Sie können also sicher sein: wenn es bei Ihnen eine Ersatzwährung gibt, dann wird sie niemals Erfolg haben und niemals die Zustände auf diesem Planeten auch nur im Ansatz verbessern.
Wir müssen also Gesundheit wählen, anstatt Pest oder Cholera.
Die Frage ist doch, ob die Zivilisation dieses Geldsystem bedingt, oder das Geldsystem diese Zivilisation hervorgebracht hat. War die Henne zuerst da, oder das Ei? - Das Zinseszinssystem gab es zumindestens schon seit langer Zeit, ohne das langlebige Gifte oder Plastikmüll in die Umwelt geblasen wurden. Ist es die Überbevölkerung? Eine geistige Umnachtung des menschlichen Gehirns, welches dieses technische System etabliert hat? - Wir wissen es nicht, und die Gelehrten und selbsternannten Experten würden noch in hundert Jahren darüber streiten. Aber wir alle wissen doch eines: diese Zivilisation ist der Tod für diesen Planeten. Ressourcen sind endlich. Jede vierte Säugetierart steht vor dem Aussterben. In jedem Eisbär werden Sie im Körperfett PCB messen können. Wahrscheinlich können Sie auch in Ihrem Blut ohne größere Probleme Bisphenol A aus Plastik nachweisen lassen. Wenn Sie glauben, dass durch Ersatzwährungen oder Schwundgeld auch nur ein Auto weniger, ein Liter Benzin weniger oder auch nur ein TFT-Bildschirm weniger hergestellt und "verkonsumiert" werden wird, dann sind Sie ein hoffnungsloser Fall.
Was wir brauchen ist nicht "Reichtum für alle" bis in den hinterletzten Winkel von Südamerika oder Afrika. Wir brauchen sauberes Wasser und saubere Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Wenn Sie glauben, dass Ersatzwährungen Reichtum aus dem Nichts für alle sieben Milliarden Menschen zaubern werden, dann möchte ich die Verfechter dieser Aussagen gerne fragen: "Wo kommen die dreissig Erden her, die dafür noch ausgebeutet werden müssen!?"
So schmerzlich diese Erkenntnis für einige Menschen sein mag: an dem Abriss dieses zivilisatorischen Systems geht kein Weg daran vorbei. Wenn der Planet Erde und seine darauf befindlichen Lebewesen überleben sollen, dann müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, wie wir Wirtschaftskrisen in Zukunft vermeiden können. Wir sollten uns keine Gedanken darüber machen, welches Lokalgeld die bessere Alternative zum jetzigen System ist. Wir sollten uns aber Gedanken darüber machen, wie diese Zivilisation möglichst schmerzlos für alle Beteiligten abgeschafft werden kann. Wir sollten uns darüber Gedanken machen, wie die Zivilisation und "Wirtschaft" abgeschafft werden kann. Wenn es keine Wirtschaft mehr gibt, gibt es schließlich auch keine Wirtschaftskrisen mehr...
Und nun werden einige verwundert den Kopf schütteln: "Zurück zum Kienspan und ab in die Höhle?" - Ja, genau das ist es. Ich will lieber einen verdammten Kienspan als eine quecksilberverseuchte Energiesparlampe. Ja, will lieber eine Höhle und ein Stück Land mit sauberem Wasser als mein Leben im 15. Stock eines Innenstadthochhauses zu fristen. Ja, ich will viele Tierarten und gesunde Lebewesen. Ja, ich will frei sein, und nicht in "wirtschaftlichen Zwängen" gefangen sein.
Die Menschen, die verzweifelt an diesem System hängen, werden eines Tages mit ihm untergehen. Es sind die Profiteure dieses Systems. Die Ausbeuter von Menschen, die Ausbeuter von Ressourcen. Oder es sind einfach Schwachköpfe, die alle Annehmlichkeiten dieses Systems annehmen, und sich einen Dreck darum scheren, was unsere nachfolgende Generation über uns sagen wird. Geschweige denn an andere - nichtmenschliche - Lebewesen denken, deren Lebensraum wir aufgrund eines aberwitzigen "Wirtschaftswachstums" zerstören oder verseuchen.
Auch du zerstörst die Welt, was führst du dich als Oberlehrer auf...??
Gerne kommen dann von einigen Menschen bei Diskussionen über dieses Thema solche Aussagen: "Ja, du machst mit deiner Internetseite und deinen Büchern auch die Welt kaputt. Reiß also das Maul nicht so weit auf! - Wer im Glashaus sizt, soll nicht mit Steinen werfen!". - Ja, so sind sie, die inkonsequenten Diskussionspartner. Am Anfang wird vehement abgestritten, dass die Zivilisation diesem Planeten überhaupt schadet. Und dann kommen zwei Minuten solche Sätze, die genau das Aussagen, was man dem Diskussionspartner vermitteln wollte. Eigentlich ein voller Erfolg.
Denn: Ja, auch Bücher und das Internet machen diese Welt kaputt. Das steht ausser Frage. Allerdings sollte man unterscheiden, was die Welt wirklich kaputt macht. Nur ein Vergleich: Es gibt ca. 40 Millionen Haushalte in Deutschland. Gut zwei Drittel davon - also etwa 25 Millionen - werden mit Werbung auf Hochglanzpapier und im klassischen 4-Farbdruck beliefert. Woche für Woche. Und in Ihrem Briefkasten finden Sie meistens nicht nur ein Prospekt, sondern wöchentlich ca. 10-15 Stück. Das sind ca. 250-300 Millionen Prospekte bei 20 Millionen Briefkästen die Werbung annehmen. Jede Woche. Im Jahr sind das 15 Milliarden Prospekte. Und dort wird nicht etwa zu einem einfachen Leben aufgerufen, sondern es werden die neuesten Handys, die neuesten LCD-Fernseher und die neuesten Wurstkonserven feilgeboten. Und allerhand anderer überflüssiger Plunder angepriesen. SO etwas zerstört die Welt. Für solch einen Dreck werden unsere Wälder vernichtet. Nicht der kleine Hinterhofverlag oder der kleine Ökoladen an der nächsten Ecke machen diese Welt kaputt. Selbst wenn ich jeden Tag 1000 Broschüren drucken würde, bräuchte ich ca. 70 Jahre um die gleiche Menge abzuarbeiten, wie in Deutschland in einer Woche an Prospekten verteilt wird! - Das ist doch Wahnsinn. Dieser Vergleich "du machst die Welt auch kaputt" ist ebenso irrsinnig, als wenn Sie als Fahrer eines SUVs einem Radfahrer "Umweltsau" zubrüllen, nur weil er ein Kaugummipapier auf die Strasse geschmissen hat!
Zudem ist es doch ein gewaltiger Unterschied, ob wir Papier brauchen, um überlebenswichtige Informationen zu verbreiten - beispielsweise wie man sich Nahrung anbaut, sauberes Wasser beschaffen kann usw. - oder ob wir die Wälder abholzen um uns über das Leben von Prinz Erwin dem XXXVIII. von Monaco oder die neueste Frisur von Rihanna zu informieren!
Wo setzen wir den Hebel an?
Alle denkenden Menschen müssen sich also die wirklich wichtigen Fragen im Leben stellen, und nicht nur Scheinlösungen propagieren. Wir können auch mit Elektroautos und mit Ökostrom aus Windkraftanlagen die Welt nachhaltig kaputtmachen. Oder mit umweltfreundlichen Holzskiern die Alpen nachhaltig zerstören. Oder Ersatzwährungen propagieren, die nichts ändern werden und die Ressourcen eben nachhaltig ausplündern. Plündern bleibt Plündern. Oder wir können denken, mit veganer Ernährung könnten wir die Welt retten, aber gleichzeitig lassen wir unser Gemüse in Plastiktüten abpacken an denen vier Monate später ein Seehundbaby oder eine Schildkröte elendiglich verreckt.
Sie wissen genau, was ich Ihnen vermitteln will:
- Ich will nicht Industriewirtschaftskrisen verhindern, ich will gar keine Industriewirtschaft mehr.
- Ich will nicht Windkraftparks und noch mehr Staudämme für die Stromerzeugung, sondern eine Gesellschaft die auch ohne Strom überlebensfähig ist.
- Ich will nicht Autos der 3. Generation, sondern eine Gesellschaft die keine Autos mehr braucht.
- Ich will keine neue Politik, sondern überhaupt keine Politik.
Ich will alle ehrlichen Bemühungen der Menschen um "eine bessere Zukunft" nicht schmälern. Aber was soll man zu Lösungen sagen, die dieses System nicht abschaffen werden? - Man kann sie nur als vergeudete Energie bezeichnen. Natürlich kann und sollte man alles in seiner Macht stehende tun, um die Weltverhältnisse zu bessern. Aber die Frage ist immer, wo man den Hebel effektiv ansetzt. Ob man Ursachen oder Wirkungen bekämpft. Selbstverständlich kann man "den Weg der kleinen Schritte" als Problemlösung verfechten. Wenn der Weg aber 1000 Kilometer lang ist, kommen Sie mit einem kleinen Schritt pro Tag nicht mehr ans Ziel sondern sterben unterwegs. Und genau so wird es diesem Planeten ergehen, wenn wir die Politik "der kleinen Schritte" verfolgen. Bis wir am Ziel sind, haben wir uns schon längst selbst ausgerottet.
Wenn dieses zivilisatorische System nicht mit Stumpf und Stiel ausgerissen wird, wird sich nichts ändern. Wir werden diese Welt weiter vernichten, und alles bis zum letzten Krümel auf der Suche nach Ressourcen ausbeuten. Wir werden Land vergiften, wegen unseres Benzins Menschen töten (lassen), mit unseren Werbeprospekten alle Wälder vernichten und weiter auf einen Totalkollaps dieses Systems zusteuern.
Es liegt an uns was wir tun wollen.
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